Geschichte | Racing Club de Strasbourg Alsace

Geschichte

Ein Ball aus Lumpen

Alles begann Anfang des 20. Jahrhunderts, als einige Jugendliche aus dem Straßburger Stadtviertel Neudorf einem „Ball“ – zu jener Zeit ein besseres Bündel aus Lumpen – hinterherjagten.

Mit ihren Ersparnissen und der Unterstützung ihres Trainers konnten sie schließlich einen echten Lederball kaufen. Kurze Zeit später gründeten sie den FC Neudorf.

Ab 1906 nahm das Team am Spielbetrieb im damaligen Reichsland Elsass-Lothringen teil. 1914 pachtete der FC Neudorf für 300 Reichsmark den Hämmerle-Garten (Jardin Haemmerlé), der später den Namen Stade de la Meinau tragen sollte.

 

Racings Geburtsstunde

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der FC Neudorf in RC Strasbourg-Neudorf, 1921 dann in Racing Club de Strasbourg umbenannt. Noch im selben Jahr wurde eine erste Holztribüne im Stadion errichtet und es strömten immer mehr Zuschauer zu den Spielen des Klubs. Nur zwei Jahre später gewann Racing seinen ersten Titel und krönte sich zum Champion d’Alsace (Elsass-Meister).

Am 10. Juni 1933 wurde im Restaurant de la Bourse auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Sprung in den Profifußball beschlossen. Nur wenige Monate später stieg der Verein nach Relegationsspielen gegen Mulhouse (0:0, 3:1) und Saint-Etienne (2:0 und 4:4) erstmalig in die erste französische Liga auf.

Racing konnte sich umgehend in der oberen Tabellenhälfte etablieren und wurde in den Spielzeiten 1934/35 Zweiter, 1935/36 Dritter, 1936/37 Sechster und 1937/38 Fünfter. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der elsässische Verein zunächst weiter in der ersten Liga, ehe er die Saison 1948/49 auf einem Abstiegsplatz beendete.

Durch den Rückzug der Profimannschaft von SR Colmar durfte Racing letztlich doch noch den Verbleib im französischen Oberhaus bejubeln, was seinerzeit als „Wunder“ gefeiert wurde.

 

Erster Titel – erster Abstieg

In den folgenden zwei Spielzeiten fand die Mannschaft zu alter Stärke zurück. 1951/52 erlebte der Verein dann allerdings die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte und trat erstmals den Gang in die zweite Liga an. Dabei hatte der RCS wenige Monate zuvor noch US Valenciennes mit 3:0 bezwungen und zum ersten Mal den französischen Pokal gewonnen, nachdem man in den Jahren 1937 und 1947 jeweils im Finale unterlegen war.

Nach dem Pokaltriumph wurden die Spieler bei ihrer Ankunft in Straßburg frenetisch von den Fans gefeiert. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein zu einer Fahrstuhlmannschaft mit mehreren Auf- und Abstiegen. 1959 wurde die Flutlichtanlage in Betrieb genommen. Es dauerte bis Mitte der Sechzigerjahre, ehe Racing erneut für Furore sorgte – diesmal mit Erfolgen im Messestädte-Pokal.

1966 gewann Racing Strasbourg unter Paul Frantz nach 15 Jahren erneut den französischen Pokal durch einen 1:0-Finalsieg gegen Nantes. Es folgten durchwachsene Jahre bis zur Fusion mit AS Pierrots Vauban Strasbourg.

1970 wurde die neue Vereinssatzung angenommen, aber nur sechs Jahre später firmierte der Verein erneut unter Racing Club de Strasbourg. 1976 gelang dann der Wiederaufstieg in die erste Liga. Trainer war zu jener Zeit Gilbert Gress. Unter ihm konnte die Mannschaft um Spieler wie Dropsy, Gemmrich, Specht, Duguépéroux, Wagner, Marx, Ehrlacher, dem Österreicher Schilcher sowie dem legendären Ivica Osim an frühere Erfolge anknüpfen.

 

Französischer Meister

Der Aufsteiger wurde auf Anhieb Dritter und erlebte im darauffolgenden Jahr den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. In der Saison 1978/79 wurde der Verein zum ersten und bisher einzigen Mal französischer Meister.

Jene Saison wird ewig in Erinnerung bleiben: Mit 56 Punkten, 63 erzielten Toren und lediglich 28 Gegentreffern (beste Abwehr der Liga) sowie unbezwungen vor heimischer Kulisse erklomm Racing den Gipfel des französischen Fußballs. Darüber hinaus erreichte die Mannschaft in der Folgesaison das Viertelfinale im Europapokal der Landesmeister, wo gegen Ajax Amsterdam Endstation war, nachdem man zuvor Dukla Prag im Achtelfinalrückspiel vor frenetischem Heimpublikum mit 2:0 nach Verlängerung ausgeschaltet hatte.

Doch sollten diese glorreichen Zeiten nicht lange andauern und Racing steuerte erneut auf eine Krise zu. In den Achtzigerjahren gab die Mannschaft eher ein trauriges Bild ab und musste 1986 den erneuten Abstieg in die zweite Liga hinnehmen. Mit Ausnahme eines einjährigen Intermezzos 1988/89 kämpften Les Bleus bis 1992 vergeblich um die Rückkehr ins Oberhaus …

 

KESHI UND DIE RÜCKKEHR NACH EUROPA

Dank einer herausragenden Leistung im Relegationsrückspiel gegen Rennes und dem unvergesslichen Treffer von Stephen Keshi beim 4:1-Sieg gelang Racing Strasbourg 1992 schließlich der Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse.

1995 erreichte die Mannschaft das französische Pokalfinale, was sie mit 0:1 verlor. Trotz dieser Niederlage sicherte sich Racing damit einmal mehr die Teilnahme am UEFA-Pokal. Im Sechzehntelfinale schied man schließlich gegen die italienische Topmannschaft vom AC Mailand aus.

Zwei Jahre später spielte Racing in der Liga lange Zeit um die vorderen Plätze mit, musste sich nach starkem Kampf am Ende jedoch mit Platz neun begnügen. In jenem Jahr übernahm die IMG-Gruppe die operativen Geschicke des Vereins. Unter Trainer Jacky Duguépéroux, Kapitän der Meistermannschaft von 1979, gewann Racing das Ligapokalfinale gegen Bordeaux (0:0, 7:6 n. E.) und fügte der Klubgeschichte somit ein weiteres Erfolgskapitel hinzu.

Racing stellt Liverpool ein Bein

Es folgten beeindruckende Leistungen im UEFA-Pokal. Nach den Glasgow Rangers setzte sich Racing auch gegen den FC Liverpool durch (3:0 und 0:2), scheiterte im Achtelfinale dann allerdings knapp an Inter Mailand. Auf den 2:0-Heimsieg folgte eine 0:3-Niederlage im Rückspiel. Am 25. Mai 2001 feierte die Mannschaft erneut den Gewinn des französischen Pokals gegen Amiens (0:0, 5:4 n. E.).

Im Anschluss an die enttäuschende Saison 2001/02 stieg das Team abermals ab. Ein Jahr später gelang jedoch der direkte Wiederaufstieg ins französische Oberhaus als Vizemeister der zweiten Liga.

In der Spielzeit 2002/03, die Racing auf einem ermutigenden dreizehnten Platz beendete, zog sich die IMG-Gruppe zurück. Stattdessen übernahm ein ambitioniertes Team um Egon Gindorf, der Patrick Proisy als Präsident ablöste, sowie Marc Keller als geschäftsführendem Direktor die Vereinsführung.

Auf dem Weg in die Insolvenz

Die Saison 2003/04 stand ganz im Zeichen der „Rückeroberung“ des Klubs – Racing sollte sich in der französischen Eliteklasse etablieren und die Gunst der elsässischen Fans zurückgewinnen. In der folgenden Spielzeit gewann der RCS unter Cheftrainer Jacky Duguépéroux am 30. April 2005 zum zweiten Mal den Ligapokal. Durch den 2:1-Finalerfolg gegen Caen qualifizierte sich die Mannschaft erneut für den UEFA-Pokal, in dem man bis ins Achtelfinale vorstieß. In der Zwischenzeit hatte Philippe Ginestet die Vereinsführung von Egon Gindorf übernommen.

Als Vorletzter der Saison 2005/06 stieg Racing in die zweite Liga ab. Nur ein Jahr später gelang jedoch der direkte Wiederaufstieg unter Coach Jean-Pierre Papin. Im Sommer 2007 übernahm Jean-Marc Furlan das Traineramt von Papin. Nach anfänglichen Erfolgen fiel die Mannschaft um Spieler wie Cohade, Gameiro und Bellaid ab Mitte März in ein tiefes Loch und musste nach elf Niederlagen in Folge den neuerlichen Abstieg hinnehmen. Es folgten unruhige Zeiten, die zur Saison 2010/11 dann sogar in den erstmaligen Gang in die Drittklassigkeit mündeten. Jene Zeit war von ständigen Wechseln im Präsidentenamt und viel Unruhe rund um den Verein geprägt.

Der Tiefpunkt

Im Sommer 2011 stieg Racing nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in die fünfte Liga ab. Unter Trainer François Keller glückte der Wiederaufstieg in Liga vier. Im Anschluss übernahm sein Bruder Marc mit zehn weiteren Aktionären die Vereinsführung, um Racing mit Unterstützung der Stadt und der Region zurück in den Profifußball zu führen. Der RCS war ganz unten angekommen und musste sich neu erfinden.

Die Spielzeit 2012/13 begann zunächst beschwerlich, um letztlich doch noch ein erfolgreiches Ende zu nehmen. Nach der Heimniederlage gegen Moulins (0:4) schien bereits alles verloren. Jedoch gelang der Mannschaft um Kapitän Sikimić mit sechs Siegen und einem Unentschieden ein fulminanter Saisonendspurt. Am 2. Juni 2013 stieg Racing nach einem denkwürdigen Saisonfinale gegen die Mannschaft von Raon-l’Étape in Epinal (3:2) vor 3.000 begeisterten Zuschauern in die dritte Liga auf. Dabei stand die Mannschaft lediglich in den letzten 48 Minuten der Saison an der Tabellenspitze.

Jérémy Grimm (Colmar) und Dimitri Lienard (Mulhouse) wurden für die neue Saison verpflichtet, deren Ausgang nicht auf dem Platz entschieden werden sollte. Trotz des Trainerwechsels Ende März 2014 von François Keller zu Jacky Duguépéroux war der Verein sportlich de facto abgestiegen. Die Entscheidung fiel letztlich am grünen Tisch: Da der französische Ligaverband LFP dem Zweitplatzierten Luzenac das Aufstiegsrecht in die zweite Liga verwehrte und den Klub nach zähem Ringen zum Zwangsabstieg in die höchste regionale Amateurklasse (Division d’Honneur) verdonnerte, konnte Racing die Klasse halten.

Im darauffolgenden Jahr fiel nach der Verpflichtung von Alexandre Oukidja, Ernest Seka, Mayoro N’Doye, Stéphane Bahoken sowie Winterneuzugang Jérémy Blayac die Entscheidung um den Aufstieg in Liga zwei am letzten Spieltag. Ein 2:0-Erfolg gegen Colomiers reichte letztlich nicht. Racing wurde lediglich Vierter und verpasste damit den Sprung nach oben.

Rückkehr in den Profifußball

2016 glückte die Rückkehr in den Profifußball. Am vorletzten Spieltag sicherte sich die Mannschaft mit einem 0:0-Unentschieden gegen Belfort den Aufstieg in die zweite Liga. Damit war Racing nach Jahren der Tristesse wieder in der Ligue 2 angekommen, die der Verein in der Saison 2008/09 verlassen hatte. Am 26. Mai feierten die Fans den Erfolg gebührend auf der Place Kléber.

Nach der Rückkehr in die zweite Liga verpflichtete der Klub mit Thierry Laurey (von GFC Ajaccio) einen neuen Trainer. Kader Mangane, Laurent Dos Santos, Anthony Gonçalves, Khalid Boutaib, Baptiste Guillaume sowie Jean-Eudes Aholou (Wintertransfer) zählten zu den Neuverpflichtungen. Das erklärte Ziel blieb der Klassenerhalt, aber angetrieben durch sein unglaubliches Publikum spielte Racing die gesamte Saison über um den Aufstieg mit. Die Entscheidung fiel schließlich am letzten Spieltag. Mit dem 2:1-Sieg gegen Bourg-Péronnas gelang dem Verein von Marc Keller der Durchmarsch ins französische Oberhaus.

Lienards Siegtreffer und das Wunder von Lille

Ein Wunder musste her an jenem 12. Mai 2018, als Racing gegen Champions-League-Kandidat Lyon kurz vor Abpfiff mit 1:2 zurücklag. Dann wurde Nuno Da Costa eingewechselt und erzielte den Ausgleich. In der Nachspielzeit war es Dimitri Lienard vorbehalten, per Freistoß den Siegtreffer zu erzielen und damit seiner Mannschaft vor frenetischen Fans im Stade de la Meinau den Klassenerhalt zu sichern.

 









 

Der Klassenerhalt war auch das erklärte Ziel in der Saison 2018/19. Der Kader wurde durch erfahrene Spieler wie Torhüter Matz Sels, Stefan Mitrović, Lamine Koné, Adrien Thomasson und Lionel Carole verstärkt und darüber hinaus mit vielversprechenden Talenten wie Lebo Mothiba, Ludovic Ajorque und Ibrahima Sissoko ergänzt. Die im Verein ausgebildeten Spieler Anthony Caci, Kévin Zohi sowie Yousouf Fofana wussten ebenfalls zu überzeugen.

 

Trotz einer Negativserie von sieben sieglosen Spielen in Folge, die sie erst am letzten Spieltag beim 1:0-Erfolg in Nantes durchbrechen konnten, hielten die Elsässer souverän die Klasse. Mit 49 Punkten beendete Racing die Saison auf Rang elf und belohnte damit auch seine Fans für deren Treue (18 von 19 Heimspielen waren ausverkauft). Gekrönt wurde die Spielzeit bereits am 30. März im Stade Pierre-Mauroy in Lille, wo das Finale im französischen Ligapokal wartete. Nach Siegen gegen Lille (2:0), Marseille (1:1, 4:2 n. E.) und bei Lyon (2:1) sicherte sich Racing durch einen 3:2-Erfolg über Bordeaux den Einzug ins Finale gegen Guingamp. Nach 90 torlosen Minuten musste die Partie im Elfmeterschießen entschieden werden, wo der RCSA mit 4:1 die Oberhand behielt. Damit qualifizierten sich die Elsässer nach 13-jähriger Abstinenz für die zweite Qualifikationsrunde zur UEFA Europa League.

 













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